Page 78 - MOHR Stadtillu - Ausgabe 251
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„DIE INTERAKTION MIT DEM PUBLIKUM IST FÜR MICH DAS HERZSTÜCK“
liegt, wenn zum Beispiel einer der Jungs ein Solo variiert, verlängert usw. Das hält die Mu- sik lebendig. Letztlich ist’s vielleicht genau diese Mischung aus Tradition und Weiterent- wicklung, die unseren Sound ausmacht.
MOHR: Viele eurer Songs sind echte Klassi- ker. Gibt es einen, den du besonders gerne singst und warum?
Tim: Eine Festlegung fällt mir in dem Kontext wirklich nicht leicht, weil ich jeden Song mit Leidenschaft singe. Und Livemusik lebt, mei- ne ich, von der authentischen Interpretation. Auch die eigene Gefühlslage ist ja nicht im- mer identisch — nachdem ein extrem enger Freund kurz vor einem Konzert verstorben war, was ich wenige Minuten vor Showstart er- fahren hatte, gingen ohne Zweifel Stücke wie „Bis wir uns wiedersehen“ besonders unter die Haut, an anderen Tagen ist 'ne Uptempo- Nummer wie „KATRiN“ mein persönliches Highlight. Das variiert — zum Glück, finde ich, denn dadurch wird klar, welch‘ große Gefühle unverändert den Antrieb bilden, es wird eben ein Konzert empfunden gelebt, nicht einfach ein Programm abgespult. Und natürlich sind Stücke wie „Ohne dich" sprichwörtlich Dauer- brenner: Es ist immer wieder bewegend, wenn ALEX die ersten Akkorde anspielt, das Publikum dann schon freudig johlt und schließlich ab der ersten Zeile mit uns singt.
MOHR: Wie wichtig ist dir die Interaktion mit dem Publikum während eurer Auftritte?
Tim: Auf mein Motto hab’ ich ja bereits ein- gangs hingewiesen — und der Grundsatz lei- tet mich wirklich: #nurGEMEiNSAMgehtes!
Somit ist die Interaktion mit dem Publikum für mich —persönlich— eigentlich ein oder gar DAS Herzstück unserer Konzerte. Ja, natürlich geht’s primär um Musik und deren bestmög- liche Darbietung - doch werden Momente magisch, wenn man die Magie des Augen- blicks teilt und zusammen erlebt, finde zu- mindest ich. Vieles kann mittlerweile gerade- zu befremdlich gut künstlich konstruiert wer- den — aber dieser Zauber, den man unmittel- bar bei Aufführungen erfahren kann, der ist immer neu und einzigartig, das Produkt ech- ter und großer Gefühle. Schon deshalb ist mir der direkte Draht zu unseren Fans wichtig. Wenn ich mit der Band auftrete, bin ich eben nicht „nur“ Sänger und Gitarrist, vielmehr zu-
gleich Frontmann. Mir liegt ungemein daran, zwischen Publikum und Bühne Brückenbauer zu sein. Das Leuchten in den Augen der Fans, das gemeinsame Singen, das Lichtermeer hunderter Handy-Lampen, früher von Feuer- zeugen, das geteilte Glück — dafür spielen wir. Songs sauber zu interpretieren, etwa im Pro- beraum oder Studio, das ist schon schön, ver- zaubernd find‘ ich jedoch die geschilderten Konzertsituationen, wenn Publikum und Band eins werden.
MOHR: In eurer Band gibt es ja auch unter- schiedliche Persönlichkeiten. Wie geht ihr da- mit um?
Tim: Wir respektieren uns, ergänzen einander mit den jeweiligen Stärken — und helfen uns im Falle individueller Schwächen. Dass das nicht immer klappen kann und auch 'mal Wort-Fetzen fliegen, hatte ich ja schon ehrlich eingeräumt. Doch das gehört eben dazu und ist nicht schlimm, eher ein Zeichen von Au- thentizität. Solange man letztlich einen ge- meinsamen Nenner findet und sich ggf. auch entschuldigen kann, halte ich sowas sogar für förderlich – Stichwort Reibungsenergie, haha!
MOHR: Ihr habt ja auch einige Singles in den letzten Jahren veröffentlicht. Gibt es Überle- gungen für ein neues Album?
Tim: Da ich immer TEAMplayer bin, werd’ und möchte ich derartige Dinge nicht ausplau- dern. Verraten kann ich gerne, dass wir unver- ändert kreativ sind und etliche neue Songs in der Schublade haben, teils noch Demos, aber auch fast fertige Produktionen. Wann was auf welche Weise veröffentlicht wird, dürfte die Zukunft zeigen. Das entscheiden wir zu Fünft.
MOHR: Ihr seid ja sehr authentisch. Wie wich- tig ist dir die Authentizität in deinem Beruf?
Tim: Authentizität ist für mich unerlässlich, ge- radezu Grundlage aller Aktivitäten — bei Kon- zerten und im Privaten ja sowieso, aber auch bei der Erarbeitung von Schauspiel- und Mu- sical-Rollen achte ich generell darauf, mich und meine Gefühle ehrlich einzubringen, im- mer wieder im eigenen Innersten zu for- schen... Und das ist in aller Regel der anstren- gendere, aber ein lohnender Weg, meine ich.
MOHR: Du bist ja auch mit dem Camper un- terwegs. Was gefällt dir am Reisen mit dei-
nem eigenen Haus auf Rädern?
Tim: Das Gefühl von Freiheit und Unabhän- gigkeit — das schätze ich sehr. Ferner wurde mein Wagen zum Zuhause, zur mobilen Hun- dehütte von SEPPi, der während der diversen Auftritte auch einen Rückzugsort haben sollte. Und während unserer Tourneen ermöglicht das Vagabunden-Leben natürlich, in all’ den schönen Gegenden auch 'mal unkompliziert länger bleiben zu können.
MOHR: Wenn du an deine musikalische Zu- kunft denkst, welche Träume hast du noch?
Tim: Träume und Ziele habe ich etliche, zum Glück, denn bekannlich rostet, wer zu lange rastet. Das Wichtigste ist ohne Zweifel, das Ge- schenk der Gesundheit, die Basis aller Aktivi- täten – und: dass die Band weiter gemeinsam unser Publikum begeistern will und kann, die Freude bewahrt. Das ist ein Ziel, aufs Innigste zu wünschen — um HAMLET zu zitieren, haha.
MOHR: Du hast ja auch andere Projekte, wie zum Beispiel im Musicalbereich. Was nimmst du aus diesen Erfahrungen mit?
Tim: An erster Stelle, das ist klar und die Grundlage, steht die Münchener Freiheit — an anderen Projekten und in ergänzenden Pro- duktionen arbeite ich ausschließlich dann, wenn unsere Aktivitäten dadurch nicht einge- schränkt werden. Dass wir fünf Personen sind und der eine oder andere meiner vier musika- lischen Mitstreiter gerne verreist, schafft zwi- schendurch Zeitfenster, die ich eben auf mei- ne Weise nutze — und ich liebe es einfach, das Publikum zu unterhalten, aber auch im Hin- tergrund an kreativen künstlerischen Prozes- sen mitzuwirken. Oft sind die jeweiligen Er- fahrungen einander gegenseitig bereichernd, wenn ich allein‘ daran denke, dass wir in ei- nem Theater, an dem ich lange engagiert war, Shootings für Bandfotos hatten, auf einer Pro- bebühne einen Clip gedreht hatten und etwa in Füssens Festspielhaus Neuschwanstein, an dem ich seit 2021 singe und spiele, regelmä- ßig Konzerte geben, dann zeigt das doch be- reits einige verbindende Aspekte. Dass zu- dem eine gewisse körperliche und vor allem auch stimmliche Fitness für die Art, wie ich den Sängerberuf sehe und lebe, wichtig ist, spricht ferner eindeutig dafür, während unse- rer Pausen nicht untätig zu sein. Und ich könn- te nun noch eine lange Liste an Beispielen an-
führen, möchte aber den Rahmen ja nicht zu sehr sprengen, haha. Vorrangig bleiben für mich die Liebe zur Unterhaltung und die Of- fenheit für neue künstlerische Impulse.
MOHR: Was möchtest du euren Fans noch mit auf den Weg geben?
Tim: ...dass ich mich über viele unvergessli- che Erfahrungen, die erst unsere Fans ermög- lichten, der Vergangenheit und auf alle zu- künftigen gemeinsamen Erlebnisse sehr freue! Vielen Dank für die jahrelange Treue und Unterstützung.
MOHR: Zum Abschluss: Ihr spielt am 23. Juli zum ersten Mal in der Domäne Rödental, die eine besondere Location für einen Open Air- Auftritt ist. Worauf freut ihr euch dort am meis- ten?
Tim: Da ich einen Großteil meiner Jugend im Frankenland verbracht habe, kenne ich die Domäne Rödental natürlich — es ist eine echte Ehre, in dieser legendären Location mit ihrem wunderschönen historischen Charme auftre- ten zu dürfen. Darauf freue ich mich wirklich sehr — und das darf ich sicher auch stellvertre- tend für meine Freiheits-Freunde bekennen: Wir sind alle 5 voller Vorfreude! Und generell stehen Open Airs für eine einzigartige Atmo- sphäre. Das ist der Inbegriff von Sommer für mich - unter freiem Himmel zur untergehen- den Sonne musizieren und mit unseren Fans zu singen!
Mit der Unterstützung von unserem prima Pu- blikum, tollen Tour-Team, den großartigen ört- lichen Organisatoren und hoffentlich auch dem Wetter wird’s wunderbar werden!
Die Münchener Freiheit präsentiert am Mitt- woch, 23. Juli 2025, einen Konzertabend, der deutsche Popgeschichte mit zeitlosem Sound verbindet. Ab 20 Uhr (Einlass: 19 Uhr) werden Tim Wilhelm und seine Bandkollegen die größten Hits und neue Songs spielen. Tickets gibt es an allen bekannten Vorverkaufsstellen sowie online unter www.agentur-strecken- bach-tickets.reservix.de/p/reservix/event/ 2325081.
Weitere Infos zur BAND und zu TiM: www.muenchenerfreiheit-band.com
www.tim-musik.de
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- STADTILLU FÜR COBURG, LICHTENFELS & KRONACH