Page 77 - MOHR Stadtillu - Ausgabe 251
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jeweiligen Gegend spielen und diese dabei zumindest ein wenig kennenlernen zu dür- fen.
MOHR: Gibt es bestimmte Rituale oder Ge- wohnheiten, die dir helfen, dich vor einem Auftritt optimal vorzubereiten?
Tim: Gerne komme ich nicht zu früh, eher et- was spät, um ganz ehrlich zu sein. Manchmal mach’ ich vorher noch etwas Sport oder lust- wandle mit meinem vierbeinigen Freund SEPPi. Rituale habe ich, im klassischen Sinne, nicht — ich bin einfach fokussiert und gerne unter Adrenalin, wenn’s auf die Bühne geht. ...eingesungen? Sowieso, aber meist ohne ty- pische Übungen vor der Show, denn ich trälle- re eigentlich ohnehin dauernd vor mich hin, haha. Das hält die Stimme wach und den Kör- per in der nötigen Spannung. Und letztlich geht‘s ja um DEN Zeitraum auf der Bühne, we- niger um das Drumherum davor und danach, ich vergleich‘s manchmal mit Elfmeterschie- ßen... Generell leb‘ ich gerne in der Magie des Augenblicks, fahre nicht zuletzt deshalb beispielsweise auch Motorrad.
MOHR: Du hast ja schon in verschiedenen musikalischen Projekten mitgewirkt. Was macht für dich die Arbeit mit der „Münchener Freiheit“ so besonders?
Tim: Wenngleich womöglich manche mei- nen könnten, dass das zu pathetisch oder gar „abgedroschen“ klingt, steh‘ ich dazu — für mich gleicht die Band geradezu einer Familie. Wir sind Freunde, die gemeinsam am glei- chen Strang ziehen, sich manchmal auch fet- zen, klar, wie in jeder ehrlichen Partnerschaft, aber im Grunde eine echte und tiefe Verbun- denheit fühlen. Das zeigt sich besonders bei unseren Konzerten, wobei wir selbstverständ- lich dennoch Individuen, nicht gleichgeschal- tet Akteure sind, kein Castingact, sondern eine Band von fünf Musikern, die einander eigen- ständig gefunden haben: Jeder bringt seine Qualitäten ein, ob das ALEX an den Keyboards mit vielen der sogenannten Signature-So- unds ist, ARON mit den, wie ich finde, sensati- onellen Soli, zu denen MiCHA und RENNiE das verlässliche Fundament und eigene High- lights liefern... Wir wissen und schätzen, was wir aneinander haben, und ich denke, dass das auch unser Publikum fühlt. Darauf ver- traue ich.
MOHR: Wenn du an eure Anfänge zurück- denkst, wie hat sich euer Sound über die Jah- re entwickelt?
Tim: Naja, ich möchte mich nie mit fremden Federn schmücken und war in den 80ern be- kanntlich noch nicht Teil der Band, anderer- seits haben mir die Gründungs- und Langzeit- mitglieder unzählige Anekdoten erzählt. Uns eint ein langer Weg, schon über 15 Jahre vor meiner offiziellen Aufnahme in die Band ha- ben wir einander gekannt, oft zeitgleich im identischen Studio in München (Anm.d.Red: „Pilot-Studio und F.A.M.E.-Soundhouse von Schlagzeuger-Legende CURT CRESS) und teils
sogar schon früher an gemeinsamen Projek- ten gearbeitet - MiCHA und ich komponierten und produzierten zusammen auch für andere Acts, ALEX und ich für Theater-Musiken und Fa- mily-Entertainment-CDs, um einige Beispiele zu nennen. Der langen Rede Sinn — wir 5 Frei- heits-Freunde kennen uns wirklich gut. Und unser Sound ähnelt quasi einem lebendigen Organismus, der sich stetig weiterentwickelt. Dabei vergessen wir die Wurzeln aber natür- lich nicht, sind schlicht und ergreifend offen für Einflüsse, die im Laufe der Jahre unserer Musik neue Facetten verliehen haben. Unse- ren grundlegenden Stil und somit sozusagen die musikalische Identität bewahren wir da-
bei dennoch tunlichst: Das merkt man etwa an den markanten Chören, d.h. unseren Satz- gesängen, die sich wie ein roter Faden durch unsere Musik ziehen. Natürlich klingen wir heute ein wenig anders als in den 80er Jahren - wir würden wohl auch textlich weniger "Schuubi, du und ich tanz' dazu"-Passagen formulieren, aber wir singen solche Zeilen auch heutzutage unverändert gerne, spielen die Songs, die natürlich Kinder ihrer Zeit sind, live mit voller Leidenschaft und so originalge- treu wie möglich. Wobei wir zeitweise be- wusst bei den Arrangements kleine Feinhei- ten verändern und Überraschungen einbau- en, was aber vor allem an der Spielfreude
ZU GAST BEIM RÖDENTALER KULTURSOMMER 2025
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