Lange stand hinter dem anvisierten Eröffnungstermin ein dickes Fragezeichen. Die hohe Auslastung der Bau- und Handwerksbetriebe, verzögerte Lieferungen, erfolglose Ausschreibungen, überhöhte Preisangebote sowie die eine oder andere Überraschung während der umfangreichen Baumaßnahmen hatten den Zeitplan der Baumaßnahme kräftig ins Wanken gebracht.

Es war ein Kraftakt für alle: Planer, Handwerker und auch für die Mitarbeiter des Rathauses.

Bis kurz vor der geplanten Eröffnung arbeiteten noch Heerscharen von Handwerkern um das Großprojekt der "Kulturhalle Witzmannsberg" auf den letzten Metern noch pünklich fertig zu stellen.
Bei einem Tag der offenen Tür mit buntem Programm und einer Ausstellung, die den Wandel vom leer stehenden Freizeitzentrum bis zur Kulturhalle dokumentiert,  konnten sich alle interessierten Bürger Mitte Oktober überzeugen.

Seither geht es auch im Waldrestaurant "Drei Eichen" zur Sache. Pächter Torsten Bauer und Angelika Tetzlaff bewirten seither ihre Gäste von Mittwoch bis Sonntag mit fränkischen und bayerischen Schmankerln.

Vom Bad zur Kulturhalle

Das Freizeitzentrum Witzmannsberg entstand 1978 im Zuge der Gebietsreform. Zum Komplex gehörten ein Hallenbad, eine Sauna, eine Kulturhalle, das Restaurant sowie ein Außenbereich mit Tennisplätzen, Minigolfanlage und Wanderwegen. Wegen nicht mehr behebbarer technischer Mängel wurde das Hallenbad im Juli 2013 geschlossen.

Im weiteren Verlauf entstanden Pläne, das Freizeitzentrum zu erhalten und das ehemalige Lehrschwimmbecken zu einer Kulturhalle mit Restaurantbetrieb umzubauen. Einen entsprechenden Beschluss fasste der Gemeinderat im Dezember 2015.

 Die Bemühungen, über das Amt für ländliche Entwicklung für den Gastronomiebereich - das Waldrestaurant "Drei Eichen" - Fördermittel zu erhalten, haben sich gelohnt. Für die Revitalisierung der Gastronomie im ehemaligen Freizeitzentrum erhält die Gemeinde 357 000 Euro. Die Gesamtkosten liegen bei 458 000 Euro.

Bis zur letztendlichen Fertigstellung war es ein langer Weg mit vielen Überraschungen, doch ein Herzensprojekt war es für Bürgermeister Martin Finzel stets. "Es war das Hochzeitgeschenk für die ehemals selbstständige Gemeinde Witzmannsberg", erinnert er an die Gebietsreform der 70er Jahre. 1978 entstand ein Freizeitzentrum mit Schwimmbad, Minigolf, Tennisplätzen und Restaurant, wie es kaum eine Gemeinde in der Größe Witzmannsbergs vorweisen konnte. Vier Millionen Mark hatte es gekostet. Die Gemeinde erhoffte sich einen Tourismusboom. Den gab es aber nicht. Ausgelastet wurde die Anlage so gut wie nie. Die Gemeinde Ahorn war mit den Kosten für die Instandhaltung des Geländes und der Gebäude überfordert. Schon um die Jahrtausendwende wurde über Möglichkeiten der Sanierung diskutiert.

2015 diskutierte man noch immer. Da war das Freizeitzentrum im Grunde eine Ruine, Schwimmbecken undicht, Kegelbahn überschwemmt, Rohrleitungen gebrochen, Elektrik defekt. Ein Gutachten ging von 3,5 Millionen Euro für eine Sanierung aus. Der Gemeinderat hatte diese aber auf 1,5 Millionen gedeckelt. So kam es zu den Plänen, die jetzt umgesetzt wurden.

Neu und doch vertraut: "Bei der Planung war es uns wichtig, die Seele des Gebäudes zu erhalten", erläutert Bürgermeister Martin Finzel die Intention des Ahorner Gemeinderats. Der ursprüngliche Charakter des alten Freizeitzentrums sollte in den Grundzügen erhalten bleiben. So wurde beispielsweise das Klinkermauerwerk saniert, das Wandmosaik des ehemaligen Schwimmbades komplett erhalten und die Gebäudestruktur beibehalten. Neu ist die mit modernster Licht- und Bühnentechnik ausgestattete Halle. Mit einer Kapazität von mehreren Hundert Besuchern, bis zu 300 bei Bestuhlung, ermöglicht sie größere und überregionale Veranstaltungen.

Planung und Abwicklung der gesamten Baumaßnahme lag in den bewährten Händen der Architekten u. Stadtplaner Glodschei.
Sie konnten mit „Bravour“ die Ideen und Vorgaben der Kommunen meisterhaft umsetzen und haben durch ihren großen organisatorischen Einsatz und der Hilfe aller Beteiligten für eine punktgenaue Fertigstellung und Übergabe des Gebäudes gesorgt.
Mit der Eröffnung nahm auch das komplett sanierte Waldrestaurant "Drei Eichen" den Betrieb auf. Alle Räume wurden neu gestaltet, gleiches gilt für Sanitärbereich und Küchentrakt. Der Hauptraum bietet Platz für bis zu 70 Personen. Der Vereinsraum kann auch für Familienfeiern mit bis zu 30 Personen gebucht werden. Zudem gibt es im Außenbereich einen großzügig angelegten Biergarten. Bürgermeister Martin Finzel wünscht sich, dass sich die neue Kulturhalle zu einem pulsierenden Ort der Gesamtgemeinde und darüber hinaus entwickelt. "Wir haben viel investiert und setzen darauf, dass das Angebot angenommen und genutzt wird", gibt er zu verstehen.

Apropos Geld: Die Umsetzung des Projekts war nur durch Förderprogramme der ländlichen Entwicklung möglich. So flossen für die Kulturhalle aus dem europäischen Eler-Fonds 602 000 Euro. Auch für Restaurant, Abriss und Neugestaltung des Außenbereichs erhielt Ahorn einen sechsstelligen Betrag. Wie hoch der Eigenanteil der Gemeinde ist, bleibt vorerst offen. "Noch sind nicht alle Arbeiten abgerechnet," fügt Martin Finzel an.

Mit der Kulturhallen-Eröffnung konnte nun ein Schlussstrich unter den ersten Bauabschnitt gezogen werden kann, stehen doch im Außenbereich noch weitere Maßnahmen an. Dazu gehört ein attraktiver Spielplatz auf dem Areal der ehemaligen Minigolfanlage. Die bisherige Anlage wurde verkauft, der Erlös für die Finanzierung des Neubaus verwendet. Veränderungen sind auch im Bereich der Tennisanlagen vorgesehen - Maßnahmen, die das Amt für ländliche Entwicklung ebenfalls mit beachtlichen Förderquoten unterstützt. Martin Finzel: "Wir sind zwar fast schuldenfrei. Aber ohne diese Mittel hätten wir das Projekt nicht stemmen können."

Bereits für vorangegangene Teilbereiche lagen die Angebote massiv über den sonst üblichen Kostenschätzungen, oft gab nur ein Bieter ein Angebot ab, manchmal gar kein Handwerker.  Dies verzögerte die Bauzeit ungemein, da die strengen rechtlichen Vergabeverfahren der Europäischen Union einzuhalten sind und bereits bei geringsten Formfehlern eine Rückzahlung von Fördergeldern droht.

Mit den Arbeiten im Gebäude sind die Planungen aber noch lange nicht beendet. Bürgermeister Martin Finzel hat beim Amt für ländliche Entwicklung eine sogenannte einfache Dorferneuerung für den Ortsteil Witzmannsberg beantragt. Somit können nicht nur Gelder der traditionellen Dorferneuerung genutzt werden, die Gemeinde kann auch von den Förderprogrammen „Innen statt Außen“ und „Flächenversiegelung“, die im Juli 2018 neu aufgelegt wurden, profitieren. Die möglichen Förderungen liegen hier zwischen 65 und 80 Prozent der förderfähigen Kosten. Geplant ist unter anderem: Neugestaltung des Umfelds des Freizeitzentrums, insbesondere der Außenanlagen mit dem Ziel, ein qualitatives Wohnumfeld zu schaffen. Umnutzung und Entsiegelung bestehender Flächen und Aufwertung des öffentlichen Raumes durch neue Inhalte, wie zum Beispiel ein generationenverbindendes Gelände und barrierefreie Wegebeziehungen.

Zeitgleich wird im Auftrag des Gemeinderates geprüft, welche Flächen in Witzmannsberg neuen Inhalten zugeführt und in die Querfinanzierung des großen Bauvorhabens mit eingebracht werden können. Diese Planungen und Arbeiten werden den Gemeinderat in den kommenden Monaten intensiv beschäftigen. Hinzu kommt die Planung des Betriebs der Kulturhalle und die Entwicklung des Restaurants,  um die neu geschaffenen Räumlichkeiten wieder zu einem Leuchtturm werden zu lassen, der nicht nur auf Witzmannsberg ausstrahlt.